| review:
HNA |
| Einfallsreich-spielerisch und zugleich nachdenklich
- die Ausstellung "Strom - 220-Volt-Objekte" von Wolfram der
Spyra in Salzmanns Factory macht neugierig,- animiert zum
Agieren, Diskutieren und Nachdenken. Sie lenkt den Blick auf
ein Schlüsselobjekt industrieller Zivilisation: die Steckdose. |
| Eine Rauminstallation von neun Galeriepodesten,
auf denen Steckdosen angebracht sind, läßt den Betrachter
nähertreten. Durch Betätigung der Schalter setzt er die Installation
unter Strom; durch die kleinen Buchsen sind nun das "Heute-Journal"
zu sehen, Fönluft zu spüren oder elektrische Entladungsgeräusche
zu hören. Aus nächster Nähe betrachtet, wird so die Bedeutung
der Steckdose unmittelbar. Aber auch Gefahren des elektrischen
Stroms werden demonstriert - zwei Stricknadeln in den Buchsen
oder eine mit Wasser gefüllte Steckdose zeigen spielerisch-makaber,
was man mit Steckdosen gerade nicht machen sollte. |
| Ein leiser Schreck durchfährt den Betrachter
beim Blick in das wie zufällig an der Wand installierte "Suizid-
Waschbecken", das statt des Abflusses eine Steckdose besitzt;
über den Rand des Beckens baumelt ein Stecker statt des Gummipfropfens.
Bemerkenswert ist ein elektroakustischer Stuhl, der die Lautstärke
der Umgebung analog in Spannung umsetzt und so drastisch ein
Leiden am Lärm signalisiert. |
| Die Installation "Alles ist in Ordnung" besteht
aus Rasenmäher, Staubsauger und Bügeleisen, die jedoch nicht
unter Strom stehen. Das in einheitlichen Farben gehaltene
Exponat zeigt das statisch Beruhigende der elektrischen Geräte,
die ein Stück Ordnung des bürgerlich-zivilisierten Lebens
symbolisieren. Die lose an der Wand lehnenden Bilderrahmen
weisen auf Kunst, die "aus dem Rahmen fällt". |
| Das Environment "Hommage an Willi Ogan" zeigt
im Interieur der fünfziger Jahre mit Heizlüfter und Radio
ein Stück Geschichte des Lebens mit Strom. Hier findet sich
auch die Verbindung zum Musiker DER Spyra. Der durch Klangskulpturen
bekannte Künstler saß schon als Zehnjähriger an der Heimorgel
seines Großonkels, des Komponisten Willi Ogan. |
| Sabine Stemmler, HNA, 19. 9. 1995 |