| review:
HNA |
| Der 1964 in Eschwege geborene und jetzt in
Kassel lebende Künstler Wolfram Der Spyra versucht, mit Hilfe
der sinnlichen Erfahrung von Klängen und zusammen mit dem
Publikum eine nur sehr schwer faßbare Erfahrung in der Gedenkstätte
Breitenau (Guxhagen) zu machen: die der gezielten Ein- und
Ausschließung von Menschen, zuletzt der des nationalsozialistisch
geführten Vernichtungswillens. |
| Der Künstler schlägt den Besuchern vor, die
Möglichkeiten seines Konzepts von "Klanginstallation" selbständig
zu nutzen. Diese Installationen sind als Objekte anzuschauen,
aber auch anfaßbar, als Klangquellen konzentriert anzuhören,
und durch Begehen der vier unterschiedlichen Stationen zu
erfassen. Im übriggebliebenen Kirchenraum hat Der Spyra drei
Stahlbleche im Rahmen aufgehängt, die mittels aufgetragener
Mini-Lautsprecher eine in schwebende Musikteile eingebettete
Geräuschkombination abstrahlen.Wer die Bleche anfaßt, zu Schwingungen
anregt oder mit der Hand dämpft, kann den Klang beeinflussen.
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| Die nächste Station führt zum Glockenturm.
In seinem düsteren und beklemmend wirkenden Treppenaufgang
sind mehrere Druckkammer-Lautsprecher in unterschiedlicher
Höhe aufgehängt. Heraus quillt eine Mischung aus Glockenklängen
und einer Rede Adolf Hitlers. In der Dunkelhaft-Zelle unter
der Turm-Spitze kann man das Innenleben der Menschenfolter
zwischen Stuhl, Pritsche und Wasserschüssel spüren. Um den
Terror der Abschottung zu er-ahnen, ist ein leises, knisterndes,
bröckelndes Geräusch zu hören. Wolfram Der Spyras Konzept
geht auf. |
| MartinReuter, HNA, 11.6.1994 |
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