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Stephan Behn |
| Dass Masse nicht gleich Klasse ist, hat Fax-Label-Chef
Pete Namlook mit seinen eigenen unzähligen Veröffentlichungen
ja schon hinlänglich unter Beweis gestellt, im Fall der Virtual-Vice-Serie
mit Wolfram Spyra scheinen sich allerdings Qualität und Produktionsfreude
nicht aneinander zu widersprechen. Folge 4 ist nicht nur ihr
ausgeglichenstes, sondern auch (und vielleicht gerade deswegen)
ihr bislang bestes Werk. Beide Musiker präsentieren sich in
einem sehr abgestimmten Dialog zueinander und erfüllen auf
ihrem neuesten Album hohe Ansprüche an Virtuosität und Ästhetik. |
| Waren Virtual Vices I – III schon von überdurchschnittlicher
Güte, so liegt die überragende Stärke dieser CD in den ersten
4 Stücken, die mit jeweils gut 11 Minuten nicht nur gleich
lang sind, sondern auch stilistisch in einem sehr engen Kontext
zueinander stehen. Der Einstiegs-Track “Femto” lehnt sich
atmosphärisch dicht an Spyra´s wegweisende Alben Sferics und
Etherlands und hinterläßt mit Verklingen der letzten Note
einen Eindruck von Vollkommenheit. Feinnervige Melodielinien
korrespondieren mit klug gewählten Hintergrundsounds und wurden
mit originell arrangierten Rhythmen diffizil verflochten.
Der zweite Titel “Sat Mute” reagiert thematisch sehr intelligent
auf das erste Stück, besitzt aber noch ein wenig mehr Drive
und läßt auch deutlichere Spuren zum Jazz erkennen. Dann folgt
“We Don´t Mind The Rain”, welches auf sehr ansprechende Weise
beweist, dass beide Künstler auch das Metier des Rhythm ´n´
Blues beherrschen, was ihrer Musik sehr durchdringende und
pfiffige Akzente verleiht. “Sons And Daughters” schließlich
setzt die eingeschlagene Richtung des Vorgängertitels in gemäßigter
Haltung fort, wobei bei beiden Titeln das mitreißende aber
unaufgeregte und dezent im Hintergrund gehaltene Gitarrenspiel
von Pete Namlook hervorgehoben werden muß, mit dem schon einige
Kompositionen auf den ersten drei Alben entschieden aufgewertet
wurden. Leider werden Namlook und Spyra einfach nicht müde
auf ihren Werken immer wieder einen ausgedehnten Ambient-Titel
zu integrieren. Auf Virtual Vices I – III war dies als ein
Teil des heterogenen Konzeptes durchaus nachzuvollziehen,
doch hier wirkt das 17-minütige “Philomela Nocturne” am Schluß
der CD wie ein störender Fremdkörper. Zu engmaschig sind die
ersten 4 Stücke miteinander verstrickt, als dass diese Aufnahme
noch eine Bereicherung sein könnte. Mit Hinblick auf einen
unverfälschten Eindruck hätte es sich sogar als ratsamer erwiesen,
ganz auf dieses Relikt improvisierten Klangdesigns zu verzichten.
An LP-Verhältnissen gemessen, wären dann rund 45 Minuten Spieldauer
immer noch ausreichend gewesen. |
| Auch ist die Wahl der rhythmischen Elemente
manchmal etwas spitz und scharfkantig ausgefallen und die
Drums hätten ein wenig mehr Fülle verdient. Doch hiervon abgesehen
sind Namlook und Spyra auf Virtual Vices IV vier Kabinettstückchen
gelungen, in denen sie mit innovativem Gespür und Freigeist
konventionelle Strukturen aufgegriffen und in eine moderne
Elektronik-Sprache eingebunden haben. Eine maßstabsetzende
Leistung in der Chill Out- und Freestyle-Branche, was die
beiden Musiker als begabte Erneuerer auszeichnet. |
| Stephan Behn |
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